tauchgold

Mensch, Musik! #5
Grenzfragen. Eine Erkundung

mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) & catalyst

„Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Straßen abschrittest; so tief ist sie und so weit.“ (Heraklit)

Eine Reisende überschreitet die Grenze zu einem anderen Land.
Ein Soldat überschreitet die Grenze zu einem anderen Land.
Eine Flüchtende überschreitet die Grenze zu einem anderen Land.
Ein Zaghafter überschreitet die Grenzen seiner Ängste.
Eine Sterbende überschreitet die Grenze zum Tod.

Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin überschreitet die Grenzen der sinfonischen Musik, indem es Künstler*innen einlädt, die Grenzen klassischer Aufführungspraxis elektronisch, videografisch und philosophisch zu verschieben, während es unter der Leitung von Tarmo Peltokoski Komponisten aufgreift, die an Grenzen ihrer jeweiligen Zeit rührten.

Dmitri Schostakowitsch komponierte 1945 mit der Sinfonie Nr. 9 eben nicht jene pathetische Siegesfeier, welche die sowjetischen Machthaber – und nicht nur diese – von ihm erwartet hatten. Ralph Vaughan Williams arbeitete zur gleichen Zeit an der Sinfonie Nr. 6, der man die persönliche Betroffenheit unmittelbar anhört. Mauricio Kagels „Zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen“ transportieren auf grandios komische Weise die Botschaft, dass die weitverbreitete Annahme, man könne im Gleichschritt die Probleme der Welt lösen, eine Illusion ist. Eine Botschaft, die der Komponist und Performance-Künstler Samaquias Lorta aufnimmt, um ihr noch einmal neue, digitale Wendungen zu geben.

Iannis Xenakis‘ bizarre Geräusche gehen an die Grenzen akustischer Konvention. Die Animationskünstlerin Paulina Greta schafft dabei visuelle Bezüge zu Richard Wagners Vorspiel zu „Lohengrin“, das mit seiner betörend schönen „Alles wird gut“-Vision das mögliche Scheitern bereits in sich trägt. Die Vergeblichkeit der Suche nach Antworten kontempliert auch Charles Ives, amerikanischer Zeitgenosse von Arnold Schönberg.

Im Foyer des legendären Haus des Rundfunks erforscht der Künstler Doron Sadja mittels der kinetischen Klanginstallation „Silent Whispers“, die nicht sichtbaren Grenzen zwischen Menschen.

All diese Impulse bettet tauchgold in einen Kontext offenen, philosophischen Fragens: Wo wollen wir die Grenze ziehen, wenn wir von Grenzen reden?


Dirigent: Tarmo Peltokoski
Konzept & Regie: tauchgold

Paulina Greta - Digital Art & Animation
Samaquias Lorta - Electronic Music Production & Performance
Doron Sadja - Electronic Music Production & Performance

Premiere: 07.10.22, Haus des Rundfunks, Berlin

Kontakt

+49 30 695 98 363
+49 178 636 56 80
hallo(@)tauchgold.de


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